"Mit Sicherheit gut ankommen" - Über ein außergewöhnliches Projekt zum Thema Flucht

Ging am 23. /24. August im Hafen von Münster vor Anker: Das ehemalige Flüchtlings- und heutige Ausstellungsboot „Al-hadj Djumaa“
Ging am 23. /24. August im Hafen von Münster vor Anker: Das ehemalige Flüchtlings- und heutige Ausstellungsboot „Al-hadj Djumaa“

von Maria Buchwitz, Barbara Geilich und Katy Teubener

„Sie kommen nicht, weil es hier so schön ist, sondern weil es zuhause so gefährlich und perspektivlos ist“ – mit diesen Worten eröffnete Gabriele Markerth vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband die Diskussion zum Thema 'Flüchtlingspoltik', die u.a. mit Vertretern von SPD, Grünen und Linken anläßlich des Schiffsprojektes „Mit Sicherheit gut ankommen“ am 23. September in Münster stattfand.

 

Kern des Projektes, das vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Outlaw-Stiftung veranstaltet wird, bildet die Reise des Schiffes 'Al-hadj Djumaa' mit mehreren Stationen in Hafenstädten entlang der deutschen Nordseeküste und kreuz und quer durch Deutschland über Flüsse und Kanäle im Sommer 2017. Die Al-hadj Djumaa ist am 25 Juli 2013 mit 217 Eritreern und 65 Äthiopiern an Bord aus Ägypten gestartet und wurde einen Tag später vor Lampedusa von der italienischen Küstenwache beschlagnahmt. Eine niederländische Flüchtlingsinitiative hat das Schiff später erworben und veranstaltet damit seitdem in Amsterdam Grachtenfahrten zum Thema Flucht und Migration. Für das Projekt "Mit Sicherheit gut ankommen" wurden 70 lebensgroße Figuren aus Kupfer des dänischen Künstlers Jens Galschiøt auf dem Schiff montiert. Männer, Frauen, junge und alte Menschen, Kinder: Insgesamt vier Ethnien spiegeln sich in den Skulpturen wieder und zeigen auf, dass Flucht nicht nur ein territorial begrenztes Thema ist. Erfahrbar wird zudem, wie berohlich eng es für die Flüchtenden auf der Überfahrt gewesen sein muss.

 

Das Schiffsprojekt wird an den verschiedenen Anlegestellen von lokalen Initiativen unterstützt. Am Hafen in Münster war die Initiative Menschenrechte in der SPD Münster die einzige Gruppe, die innerhalb einer Partei aktiv ist, an der Aktion beteiligt. Unser Ziel ist es, die Situation der Geflüchteten in Deutschland, in Europa und an den Außengrenzen in den Mittelpunkt der politischen Diskussion zu rücken und eine Flüchtlingspolitik voranzubringen, die den Menschen und seine Würde in den Mittelpunkt stellt. Die vielen Gespräche, die wir mit Besucher*innen der Veranstaltung geführt und die Gedanken, die sie uns symbolisch auf kleinen Papierschiffchen hinterlassen haben, zeigen: Das Schicksal der Geflüchteten und die untragbare momentane Situation in der Flüchtlingspolitik berühren die Menschen tief. Diese Fähigkeit zu Empathie kann und muss  die Politik sich zur Verbündeten machen,und nicht die Angst vor einem Rechtsruck in unserer Gesellschaft. Wer überhaupt, wenn nicht ein reiches Land wie Deutschland, kann vorangehen auf dem Weg zu einer europäischen Flüchtlingspolitik, die sowohl kurzfristig Menschen durch ein umfangreiches Seenotrettungsprogramm vor dem Ertrinken rettet und aus untragbaren Lebensumständen in Flüchtlingslagern befreit als auch langfristig begleitet von einer verantwortungsvollen Handels- und Rüstungspolitik Fluchtursachen bekämpft.

Doch zurück zum Anfang: „Sie kommen nicht, weil es hier so schön ist…“. Münster ist in diesem Sommer Weltstadt der Kunst, der Skulpturprojekte 2017. Niemand kann sagen, ob es Zufall ist, dass 50 Meter entfernt vom Schiff aus Lampedusa Kunsttouristen aus aller Welt übers Wasser gehen. Die Künstlerin Ayse Erkmen hat für die Skulpturprojekte einen unsichtbaren Steg über das Hafenbecken gebaut. Das Nebeneinander der beiden Kunstwerke ist auf den ersten Blick verstörend – Überlebenskampf hier, Freizeitvergnügen dort. Doch wer sich mit den Arbeiten von Ayşe Erkmen beschäftigt, der weiß, wie wichtig es ihr ist, „Wasser jenseits von Klischees und Romantisierungen zu betrachten“. Sowohl in ihrer Kunst als auch beim Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ geht es  darum, Wahrnehmungen und Bewusstsein zu verändern. Bei genauer Betrachtung ist das Nebeneinander der Kunstwerke von Galschiøt und Erkmen somit keineswegs widersprüchlich oder gar zynisch, sondern ein konstruktives Miteinander, das uns in jedem Fall zum Nachdenken anregen will.

 


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Schiffsprojekt "Mit Sicherheit gut ankommen"
Gedanken zum Thema Migration und Flucht.
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