Eritrea - Afrikas ‚Hauptproduzent‘ von Flüchtenden

Ein Land, zu schön, um da zu sein...
Ein Land, zu schön, um da zu sein...

Veranstaltungshinweis

 

Seit 2015 haben viele Zehntausend Eritreer*innen ihr augenscheinlich schönes Heimatland am Horn von Afrika verlassen und sich auf den lebensgefährlichen und oft tödlichen Weg aus ihrer Heimat nach Europa und Deutschland gemacht.

Was sind die Ursachen und Hintergründe für diesen Exodus,
und wie lebt es sich aktuell als Eritreer*in in Deutschland?

 

Die Menschenrechtsinitiative in der SPD Münster setzt sich u.a. dafür ein, dass Menschenrechtspolitik auf allen politischen Ebenen einen höheren Stellenwert erhält, was gerade Hier und Jetzt notwendiger ist denn je.

 

In Zusammenarbeit mit ARCHEMED - Ärzte für Kinder in Not e.V. und jungen Eritreern wollen wir Hintergründe und Erfahrungsberichte zur wirtschaftlichen, menschenrechtlichen und politischen Situation Eritreas und den sich daraus ergebenden Fluchtgründen von Geflüchteten und Mitarbeitern einer in Eritrea aktiven NGO vorstellen und diskutieren.

  • „„Mittwoch, 10.10.2018
  • 19.00 Uhr
  • Bistro ‚Confit‘, Gasselstiege 21

Moderation: Dr. Thomas Dirksen, Claudia Hüttermann

 

Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe des Beirats für kommunale Entwicklungszusammenarbeit: „Unfair.Unfrieden.Flüchten“

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Eritrea - Afrikas ‚Hauptproduzent‘ von Flüchtenden
Flyer zur Veranstaltung am 10.10.2018.pd
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"ERZÄHL MIR" - Ein integratives Theaterstück mit Geflüchteten

Das integratives Theaterprojekt „Erzähl mir“ mit derzeit fünf Geflüchteten aus dem arabischen Raum. Foto: Theater PATATI-PATATA Reutlingen
Das integratives Theaterprojekt „Erzähl mir“ mit derzeit fünf Geflüchteten aus dem arabischen Raum. Foto: Theater PATATI-PATATA Reutlingen

Veranstaltungshinweis von Gisela Streit

 

Zusammen mit Ensemblemitgliedern des Theater PATATi-PATATA haben Geflüchtete ihre persönlichen Geschichten in Szene gesetzt: Ein berührendes Stück ist entstanden, zwischen Aufbruch und Ankommen, zwischen hier und dort. Vom Sprachkuddelmuddel auf allen Seiten, der mühevollen Suche nach Arbeit, dem ewigen Warten auf irgendetwas, von Einsamkeit, Familie, Krieg und Flucht wird trotz der Ernsthaftigkeit vieler Themen mit großer Leichtigkeit und Spielfreude erzählt. In der Szenencollage wechseln humorvolle Momente aus den täglichen Missverständnissen in der Integration ab mit Erinnerungen aus einem Leben in der Heimat und sehr bewegenden Berichten über den mühevollen Weg nach Europa.

 

Karten: Erw. 8,- € / Ermäßigt: 6,- € /  Geflüchtete: Eintritt frei, VVK in den Weltläden, La Tienda und bei Vamos e.V.

Ort: Studiobühne am Domplatz 23, 48143 Münster
Datum und Uhrzeit: 15.09.; 20:15

Kooperationsveranstaltung von: Eine-Welt-Forum Münster e.V.; Eine Welt Netz NRW, FAIR Handelsgesellschaft mbH, Gesellschaft für bedrohte Völker Regionalgruppe Münster, Iriba Brunnen e.V., la tienda e.V., Oikocredit, Weltladen

 

Menschenrecht auf Existenzminimum - SPD diskutiert mit der Europa.Brücke.Münster

v.l.: Maria Buchwitz, Maria Winkel, Bernd Mühlbrecht, Yanica Grachenova
v.l.: Maria Buchwitz, Maria Winkel, Bernd Mühlbrecht, Yanica Grachenova

Bericht von Maria Buchwitz

 

Die Lage der Bürgerinnen und Bürger in Münster aus EU-Ländern, die in ihren Ländern keine Perspektive finden, stand im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung der Initiative Menschenrechte in der SPD Münster am 15.05.2018 im Bennohaus.

 

„Viele Menschen, die aus EU-Ländern zu uns kommen, finden Arbeit und können ihren Lebensunterhalt bestreiten“, so Maria Buchwitz, Vorsitzende der Initiative Menschenrechte. „Aber es gibt eben auch diejenigen, die keine Ausbildung haben und als billige Arbeitskräfte missbraucht werden in der Fleischindustrie, im Baugewerbe oder in der Prostitution“.

 

Thematisiert wurde vor allem die Situation der Kinder und der alleinstehenden Frauen, wobei das 2017 in Kraft getretene „EU-Bürger-Ausschlussgesetz“, welches Unionsbürger*innen von Sozialleistungen ausschließt, kritisiert wurde. „Besonders kritisch ist die Lage, wenn Kinder betroffen sind. Wir können nur bei jedem einzelnen versuchen, eine Härtefallregelung zu finden“, so Maria Winkel, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster. Mit in der Runde war auch Yanica Grachenova, Sozialarbeiterin im Gesundheitsamt der Stadt Münster und Leiterin des Projektes Marischa. Sie berichtete von der Arbeit der Ehrenamtlichen in dem Projekt, die sich um die Frauen auf dem Straßenstrich in Münster kümmern. Bernd Mülbrecht, Leiter der „Europa.Brücke.Münster“, stellte die Arbeit der Europabrücke vor, die seit 2016 Anlaufstelle für die zugewanderten Unionsbürger*innen ist. „Das Wort Armutsmigration benutze ich nicht gern“, so Mülbrecht. „Hoffnungsmigration - diese Beschreibung ist zutreffender, da die Menschen mit einer ganz großen Hoffnung kommen, ihre Lebenssituation zu verbessern“. Am Ende bleibt die Hoffnung und der Auftrag an Politik und Gesellschaft, dass das Menschenrecht auf ein Existenzminimum sich in allen EU-Ländern durchsetzt.

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Menschenrecht auf Existenzminimum
Flyer zur Veranstaltung am 15.05.2018.pd
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„Es muss doch menschenrechtlich möglich sein, zumindest eine Grundversorgung hinzubekommen“ - Interview mit Bernd Mülbrecht, EUROPA.BRÜCKE.MÜNSTER

Gesprächsprotokoll von Katy Teubener

Am 22.01.2018 führte die Initiative Menschenrechte in der SPD ein Gespräch mit Bernd Mülbrecht über das Projekt EUROPA.BRÜCKE.MÜNSTER, gefördert aus Mitteln des Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP). Das Projekt richtet sich an neuzugewanderte Unionsbürger*innen, die unter Armut leiden und keinen oder nur unzureichenden Zugang zu den Beratungs- und Unterstützungsangeboten des regulären Hilfesystems haben.

Foto links: Dr. Katy Teubener (rechts) im Gespräch mit Bernd Mülbrecht, langjähriger Leiter des Hauses der Wohnungslosenhilfe in Münster und seit 2016 - inzwischen im Ruhestand - Berater bei der EUROPA.BRÜCKE.MÜNSTER. Foto rechts: Maria Buchwitz (Mitte), Leiterin der Initiative Menschenrechte in der SPD.

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Interview mit Bernd Mülbrecht am 22.01.2018
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"Was zählt ist eine gute Nachbarschaft" - Interview mit einer deutsch/eritreischen Familie

Aus keinem Land Afrikas kommen so viele Geflüchtete nach Europa wie aus Eritrea - sie fliehen vor Zwangsarbeit, unbefristetem Militärdienst und willkürlichen Inhaftierungen. (Bild: Wikipedia)
Aus keinem Land Afrikas kommen so viele Geflüchtete nach Europa wie aus Eritrea - sie fliehen vor Zwangsarbeit, unbefristetem Militärdienst und willkürlichen Inhaftierungen. (Bild: Wikipedia)

Beitrag von Claudia Hüttermann

In Ausübung meines Berufes als Sozialpädagogin lerne ich tagtäglich unterschiedliche Menschen und deren Lebensgeschichten kennen, die von bizarr bis todtraurig reichen und Menschenleben in die eine oder andere Richtung prägen.

Im Rahmen des diesjährigen Caritas-Sonntags zum Thema "Zusammen sind wir Heimat" habe ich die Möglichkeit gehabt, das folgende Interview mit Mutter und Sohn einer deutsch/eritreischen Familie zu führen.

 

Zur Information: Eritrea ist ein Staat im nordöstlichen Afrika. Er grenzt im Nordwesten an den Sudan, im Süden an Äthiopien, im Südosten an Dschibuti und im Nordosten an das Rote Meer. Nach dreißigjährigem Befreiungskrieg vom Nachbarland Äthiopien feierte Eritrea 1993 seine Unabhängigkeit. Seitdem wird es politisch von der autoritären Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit dominiert. Präsident des Einparteiensystems ist seither Isayas Afewerki.

 

C.H.: Warum haben Sie ihr Herkunftsland verlassen müssen?
N.A.: Im Alter von zwei Jahren trennten sich meine Eltern und ich wuchs bei meinen Großeltern mütterlicherseits auf. Meine Mutter und auch mein Vater flohen während des Krieges in den Sudan, wo mein Vater bis heute lebt. Ich konnte ihn vor einigen Jahren kennenlernen.
Meine Mutter hat mich im Alter vo 12 Jahren zu sich und ihrer „neuen Familie“ nach Deutschland geholt. Die erste Zeit war sehr schwer für mich, aber ich habe die Sprache durch gute Lehrer schnell lernen können. Ich bin dann wegen des großen Heimwehs für drei Monate nach Eritrea zurückgekehrt, um mich dann für Deutschland als neues Heimatland zu entscheiden.
C.H.: Was haben Sie dadurch verloren?
N.A.: Mein Zuhause - und damit meine ich nicht ein Haus und nicht mal so sehr eine bestimmte Umgebung, im Krieg gibt es kein Zuhause. Im Haus meiner Großeltern hat mein Großvater ein Loch in die Erde gegraben, da stand nur ein Bett drin, das war unser Schutz vor dem Krieg. Trotz der schwierigen Situation haben wir eine tolle Kindheit gehabt, wir haben viel gelacht.
C.H.:Was vermissen Sie hier ?
N.A.: Ich vermisse die Nachbarschaft. In Eritrea ist es oft beschwerlich sich zu besuchen, wenn man weit voneinander entfernt lebt. In Deutschland ist das viel einfacher. Trotzdem leben viele Menschen hier für sich, das macht mich traurig. In Eritrea unterstützen sich die Menschen stärker, trotz z.T. widriger Verhältnisse. Eine gute Nachbarschaft ist genauso wichtig wie die eigene Familie, man hilft sich gegenseitig, man unterstützt sich. Das wünsche ich mir hier noch mehr.
C.H.: Was haben Sie hier neu gefunden?
N.A.: Menschen aus der Gemeinde haben mich hier sehr gut aufgenommen, z.B. meine „weiße Tante“!. Ein gutes Miteinander unter den Nachbarn ist sehr wichtig. Nachbarn brauchen einander.
K.A.: Ich bin der älteste Sohn und habe noch drei jüngere Geschwister. Ich bin 21 Jahre alt, in Deutschland geboren, besitze die deutsche Staatsbürgerschaf und studiere Bauingenieurwesen. Neben Deutsch spreche ich auch noch zwei regionale Sprachen aus Eritrea.
C.H.: Welches ist ihr Heimatland?
K.A.: Eigentlich fühle ich mich eher staatenlos. In Eritrea fragen mich die Menschen, wer ich bin , woher ich komme, ich bin „anders“. Ich habe keine Ängste gegenüber der Polizei. Die eritreische Bevölkerung hat Angst vor Kontrollen, denn Sie können Verhaftungen nach sich ziehen. In Deutschland bin ich Ausländer, Menschen möchten sich im Zug oder im Bus nicht neben mich hinsetzen. Anfangs habe ich den Kontakt gesucht, jetzt nicht mehr.
C.H.: Was vermissen Sie ?
K.A.: Die Menschen in Eritrea sind „wacher“ zu ihrem Gegenüber.
C.H.: Was wünschen Sie sich?
K.A.: Ich wünsche mir mehr Ehrenamt, mehr Aufklärung über die unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die hier in Deutschland leben. Der erste Schritt ist oft schwer, aber durch Begegnung lernen wir uns besser kennen und werden offener.
Für mich steht Freundschaft an erster Stelle. Ich würde mich freuen, wenn die Menschen, die mit mir in der Gemeinde leben, mich offen fragen, wie ist dass bei euch? Warum ist das so und ist das überhaupt so und wozu?
C.H.: Herzlichen Dank Euch beiden für das Interview.